03.11.2020

Begeisterung bei Barockoper

Mit Standing Ovations feierte am Wochenende das Publikum im Vogtlandtheater die Premiere von Georg Friedrich Händels Tamerlano. Gezeigt wurde allerdings nur der erste Teil der Oper, da derzeit nur pausenlose Aufführungen mit reduzierter Gesamtdauer möglich sind und die künstlerische Leitung des Theaters sich deswegen entschlossen hatte, Händels farbenreichen Musiktheaterthriller auf zwei Abende aufzuteilen.
Die Zuschauer*innen zeigten sich an diesem Abend von den Solist*innen, den unter Leitung von GMD Leo Siberski mit großer Stilsicherheit aufspielenden Clara-Schumann-Philharmonikern und der Inszenierung von Musiktheaterdirektor Jürgen Pöckel gleichermaßen begeistert. Besonderen lautstarken Applaus erhielt der als Gast engagierte Countertenor Noah Xuhui Du in der Partie des Andronico, der mit warmen Timbre und großem Ausdruck begeistern konnte. Ihm ebenbürtig war Christina Maria Heuel als die von ihm geliebte Asteria, die zwischen der Liebe zum ihm und der Möglichkeit, ihren gefangenen Vater Bajazet zu retten, indem sie Tamerlanos Werben nachgibt, hin- und hergerissen ist. Als Tatarenfürst lieferte Mezzosopranistin Stephanie Atanasov eine ausgefeilte Charakterstudie ab, indem sie die plötzlichen Umschwünge Tamerlanos von Liebe und Hass stimmlich wie darstellerisch glaubhaft verkörperte. Ihren Gegenspieler Bajazet gab André Gass, der die Verzweiflung des Vaters, der sich von seiner Tochter verraten sieht, ebenso Klang werden ließ, wie die Hilflosigkeit des gefangenen Sultans. Vervollständigt wurde das Ensemble von Nataliia Ulasevych als Irene, der Verlobten Tamerlanos, die mit ihrem hellen Sopran für sich einzunehmen wusste sowie von Frank Blees als Leonte.
Aufgrund der neuen Bestimmungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie muss die Premiere des zweiten Teils, die für den 7. November vorgesehen war, zunächst erst einmal entfallen. Aber seien Sie gewiss: Fortsetzung folgt … wie versprochen!