27.01.2020

Eine Sommernacht im Januar

Für seine souveräne Leistung in Stephen Sondheims Musical Das Lächeln einer Sommernacht durfte das Ensemble am vergangenen Samstag reichlich Applaus vom begeisterten Plauener Premierenpublikum ernten. Die schnell aufeinanderfolgenden und ineinander verflochtenen Dialog- und Gesangspassagen bewältigten die Sängerdarsteller*innen mit großer Leichtigkeit. „Sie alle sorgen derzeit […] dafür, dass die Sommernacht auch mitten im schneefreien Winter im Vogtlandtheater lächelt“, lobte die Freie Presse besonders das harmonische Zusammenspiel aller Beteiligten. Unterstützt wurden sie dabei durch Jürgen Pöckels Inszenierung, in der die ironischen Brechungen des Stücks auf komisch bis tragische Weise Kontur annahmen. Zur flirrenden Stimmung trug nicht zuletzt das Quintett der Liebesliedersänger bei, das sich kommentierend und tanzend um die Szenen herum bewegte – im 2. Akt mit langen Koboldnasen – und eine Verbindung zur Zuschauerperspektive herstellte. Sabine Pommerenings Bühnenbild zeigte einen Blätterwald, der im 1. Akt durch Gardinen und Holzmöbel zum Innenraum wurde und nach der Pause im Dämmerlicht der nicht untergehenden Sonne ins Freie verwies. Hier fand die verhängnisvolle Zusammenkunft aller Figuren beim Freiluftdinner nach skandinavischer Mittsommer-Tradition statt. In der Partie der Schauspielerin Desirée Armfeldt war Sandrine Guiraud zu Gast, in Plauen durch ihr früheres Festengagement bestens bekannt und beliebt. Nicht nur in ihrer Interpretation des Welthits Wo sind die Clowns lotete sie zahlreiche Zwischentöne auf feinfühlige Weise aus. Mit ebenso präzisem Timing und Textverständlichkeit in den schnellsten Tempi überzeugte an ihrer Seite Marcus Sandmann als Rechtsanwalt Fredrik Egerman. In dieser Spielzeit neu besetzt und bestens integriert, agierten auch die Gäste Tomek Delsky als rüpelhafter Soldat Carl-Magnus Malcolm und Charlotte Herrmann als kluge Enkeltochter Fredrika. Ihre Szenen mit Großmutter Madame Armfeldt (Judith Schubert als brillant-sarkastische Grande Dame) erhielten mehrfach Sonderapplaus. Die Clara-Schumann-Philharmoniker bewältigten anspruchsvollste Gegensätze in Sondheims Partitur, deren Farben GMD Leo Siberski am Pult leuchten ließ und souverän die musikalischen Fäden zusammenführte.