21.05.2022

Begeisternde Wagner-Gala

An zwei Abenden begeisterten Solist*innen des Theaters Plauen-Zwickau am 19.5. und am 20.5. im Vogtlandtheater in einer Richard-Wagner-Gala mit Auszügen aus Bühnenwerken des Bayreuther Meisters. So war etwa die Sopranistin Małgorzata Pawłowska mit einer eindringlich vorgetragenen Ballade der Senta aus dem Fliegenden Holländer zu hören, nachdem zuvor André Gass mit dem Lied des Steuermanns Mit Gewitter und Sturm aus der selben Oper seine lyrischen Qualitäten unter Beweis stellte. Wonjong Lee war der strahlende Solist des Preislieds des Walther von Stolzing aus den Meistersingern von Nürnberg und wurde dabei auch vom Opernchor des Theaters tatkräftig unterstützt. Sebastian Seitz steuerte zu diesem Abend zunächst ein akurat und intensiv vorgetragenes Lied an den Abendstern aus der Romantischen Oper Tannhäuser bei, bevor er in die Rolle des Hans Sachs schlüpfte und gemeinsam mit Christina Maria Heuel, Stephanie Atanasov, Wonjong Lee und André Gass den gelungenen Abend mit dem Quintett Selig, wie die Sonne aus den Meistersingern ausklingen ließ. Die Clara-Schumann-Philharmoniker erwiesen sich unter der musikalischen Leitung ihres GMD Leo Siberski in allen Auszügen als kompetente Begleiter, die die komplexen Strukturen und Stilistiken der einzelnen Werke zu durchdringen vermochten. Die feurig vorgetragene Ouvertüre zum Fliegenden Holländer versetzte die Zuhörer*innen im Vogtlandtheater unmittelbar in eine stürmische Nacht auf See.
Neben den Ensemblemitgliedern hatte das Theater mit Katrin Kapplusch, Jason Kim und Insu Hwang auch namhafte Gäste für diese Gala verpflichtet, die nicht nur Ausschnitte aus dem Lohengrin zu Gehör brachten, sondern auch den zweiten Aufzug des Bühnenweihfestspiels Parsifal darboten. Katrin Kappluschs eindringliche Gestaltung der fluchbeladnenen Kundry, die seit Ewigkeiten durch die Zeiten wandert, um den Mann zu finden, der ihren Verführungskünsten zu widerstehen, ließ dabei ebenso aufhorchen wie Jason Kims inzwischen ins Heldische gewachsene Tenorstimme, so dass er die Titelpartie in Wagners letztem Bühnenwerk mit Schmelz und ohne Anstrengung meisterte. Auf hohem Niveau präsentierte sich auch Insu Hwang als dämonischer Zauberer Klingsor. Er hatte vor gut eineinhalb Wochen die Zwickauer Zuschauer*innen schon in der Titelpartie in Verdis Oper Rigoletto begeistert, die als Gastspiel der Landesbühnen Sachsen im Rahmen des 11. Sächsischen Theatertreffens im Gewandhaus zu erleben war und deren Vorstellung der junge Baßbariton durch sein kurzfristiges Einspringen retten konnte.
Mit leichter Hand führte Operndirektor Jürgen Pöckel durch diesen gelungenen Abend, der übrigens am Pfingstwochenende noch zwei Mal im Zwickauer Gewandhaus zu erleben ist: Am 5.6. um 19.30 Uhr und am 6.6. um 18.00 Uhr entführen Sie unsere Solist*innen, die Clara-Schumann-Philharmoniker unter der Leitung von GMD Leo Siberski noch einmal in die musikalische Welt Richard Wagners.