28.03.2019

Stimmungsvolle GISELLE im Kirchenraum

Mit Giselle feierte gestern die umfangreichste Neuproduktion der Spielzeit im Ballett Premiere in der Lukaskirche. Das Publikum quittierte mit jubelndem, lang anhaltendem Applaus die beeindruckenden Leistungen des Ballettensembles sowie des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Kapellmeister Vladimir Yaskorski. Die Musikerinnen und Musiker spielten direkt hinter einem transparenten Schleier, Teil des Bühnenbildes von Annett Hunger, der auf vielfältige Weise in die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzern integriert war. Auch die mobilen Wände mit floralen Motiven in kräftigen Farben bewegte das Ensemble regelmäßig über die Bühne. Im zweiten Akt zeigten die Bühnenelemente ihre Kehrseite mit ähnlichen Mustern in Schwarz-Weiß-Grau und wirkten wie eine erstorbene Vulkanlandschaft. Dazwischen agierten die Tänzerinnen und Tänzer um die souveräne Nicole Stroh in der Titelrolle mit einem breiten Bewegungsrepertoire. Ballettdirektorin Annett Göhre griff für ihre Choreografie auf klassische Eleganz für die Aristokratie (Elliot Bourke als Albrecht, Shahnee Page als Bathilde), ausgelassene Drehungen im Dorftanz, ausdrucksstarke Spielelemente (Judith Bohlen als Berthe) und temporeiche Szenen für die Elementargeister (Wilis) zurück. Dabei erntete Miyu Fukagawa als Wili-Königin Myrtha Zwischenapplaus für ihre komplett auf Spitze choreografierten Auftritte. In das Beziehungsgeflecht der Figuren unterschiedlicher sozialer Herkunft hatte Annett Göhre zusätzlich eine Freundin Giselles (Justine Rouquart) etabliert, die die Reihe der unerwidert Liebenden erweiterte. Auf Grund von Verletzungsfällen im Ensemble waren teilweise extrem kurzfristig Leonardo Mancuso als Hilarion sowie Ballettmeister Jens Weber als Ensembletänzer eingesprungen. Annett Göhre bedankte sich vor der Vorstellung für die spartenübergreifende Unterstützung aller Beteiligten in dieser Ausnahmesituation. Das Ballett mit der geheimnisvollen Atmosphäre und der eingängigen Musik von Adolphe Adam ist nur noch am 29., 30. und 31. März sowie am 3. und 4. April in der Lukaskirche zu erleben.