12.06.2019

Tief bewegender Tanz in GLASHÄUSER בתי זכוכית

Eine Premiere der besonderen Art erlebten die Zuschauer auf der ausverkauften Kleinen Bühne in Plauen am Pfingstsonntag: das Tanzstück Glashäuser בתי זכוכית des international gefragten israelischen Choreografen Oded Ronen. Tief bewegten seine emotional starken tänzerischen Bilder, mit denen er und das Ballettensemble – ausgehend vom Schicksal seiner aus Plauen stammenden Familie – die Mechanismen von Ausgrenzung, Diskriminierung, Nationalismus, Krieg und Völkermord bis in die heutige Zeit durchleuchteten. Die intensiven Eindrücke der Tanzszenen wurden durch Projektionen historischen Videomaterials zu rassistischer Propaganda, Judenverfolgung während der NS-Zeit und Aufnahmen von Plauen vor und nach den Bombenangriffen im 2. Weltkrieg unterstützt. Silvio Mottas schlichter weiß-schwarzer Raum und seine an zweidimensionale Zeichnungen angelehnten Kostüme erweiterten die reichen Assoziationen um Schwarz-Weiß-Ideologien und ermöglichten es, auch die Körper der Tänzerinnen und Tänzer als Projektionsfläche zu nutzen. Die Übertragung eigener Ideen auf andere und der Kippmoment, in dem sich schützende und gemeinschaftsstiftende Gruppendynamik in Ablehnung und Ausgrenzung anderer verwandelt, waren immer wieder präsent in der Choreografie, die nicht zuletzt traditionelle Kreistänze aus jüdischen und anderen Kulturen aufgriff. Im Verlauf der Vorstellung wurden einzelne Freiwillige aus dem Publikum auf die Bühne geholt und konnten, auf rollbaren Stühlen sitzend, das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven und unmittelbarer Nähe beobachten. Zuletzt geleiteten die Tänzerinnen und Tänzer die Zuschauerinnen und Zuschauer einzeln aus dem Saal. Somit stand am Ende statt Applaus beeindrucktes Schweigen im Gedenken an die Opfer des Holocaust und in höchstem Respekt vor der großartigen Leistung von Judith Bohlen, Miyu Fukagawa, Justine Rouquart, Shahnee Page, Nicole Stroh, Juan Bockamp, Elliot Bourke und Jeaho Shin in einem unter die Haut gehenden Tanztheaterstück. Am anschließenden Nachgespräch nahm der Großteil der Besucherinnen und Besucher teil und entwickelte mit dem Produktionsteam und dem Ensemble einen nochmals ernsthaften Austausch. Erst zu dessen Ende brach sich der Dank des Publikums für dieses besondere Theatererlebnis mit viel Beifall Bahn.