01.10.2019

Kein bisschen müde: Revuette besticht mit Witz und Verwandlungskunst

Die Premiere der Musiktheater-Stückentwicklung Kind, ich schlafe so schlecht wurde am Freitagabend mit langem Beifall im Malsaal gefeiert. Nataliia Ulasevych und Marcus Sandmann, die während zweieinhalb Stunden reiner Spielzeit singend, spielend und tanzend auf der Bühne gestanden hatten, die Instrumentalisten um den Musikalischen Leiter Matthias Spindler sowie das Produktionsteam wurden ausgiebig bejubelt. Operndirektor Jürgen Pöckel zeichnete neben der Inszenierung auch für das Textbuch verantwortlich. Ihm gelang damit ein überaus kurzweiliger Bogen über verschiedenste Situationen rund um das Thema Bett und Schlaf. Zwei Kunstfiguren, die den beiden Ensemblemitgliedern nicht nur wegen ihres identischen Namens ähnelten, begegneten sich mit ihren Schlafproblemen und nächtlichen Sehnsüchten oder schlüpften in Rollen aus der Geschichte des Musiktheaters wie etwa Madame Pompadour aus der gleichnamigen Operette von Leo Fall oder Hans Styx aus Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt. Mit viel Situationskomik und ironischen Brechungen versprühten die Sängerdarsteller dabei ihren Charme beständig in Richtung Publikum. Unter den Texten in deutscher, englischer, russischer und italienischer Sprache fand sich Lyrik zur Nacht ebenso wie zarte Annäherungsversuche zwischen den Figuren.
Ihre Vielseitigkeit demonstrierten Nataliia UIasevych und Marcus Sandmann jedoch besonders auf musikalischem und tänzerischem Gebiet: Von der Belcanto-Arie über Musicalhits und Schlaflieder bis zum Rocksong wechselten sie im Minutentempo das Genre und zeigten sich stimmlich entsprechend flexibel. Auch die stückimmanenten Tanzszenen in der Choreografie von Ekaterina Tumanova reichten vom gefühlvollen Foxtrott bis zur Stepp-Einlage. Ausstatterin Charlotte Labenz hatte auf ein roséfarbenes Podest ein drehbares Bett als Spielort und heimlichen Protagonisten des Abends gestellt. Als Marcus Sandmann mit Franz Lehárs Hab ein blaues Himmelbett dem Bühnenbild mit Farbeimer und Pinsel zu Leibe rückte, wechselten dessen beleuchtete Stufen nach Blau. Im Übrigen überzeugten das Bühnen- und besonders das Kostümbild mit Ton-in-Ton-Chic aus Roségold, Schwarz und Weiß. In wahrer Revue-Manier wechselten die Kostüme von Schlafanzug und Bademantel zur Abendgarderobe, von der griechischen Toga zum glitzernden Federschmuck. Matthias Spindler, der für zahlreiche Titel auch die musikalische Einrichtung übernommen hatte, leitete das Geschehen vom Flügel aus. Sein mit Flöte/Klarinette/Saxofon, Tuba und Schlagzeug außergewöhnlich besetztes Instrumentalensemble aus den Reihen des Philharmonischen Orchesters und Gästen folgte ihm stilsicher auf allen klanglichen Pfaden und wurde so wahlweise zum Salonorchester oder zur Bar-Combo.
Für die verbleibenden Vorstellungen ab dem 9. Oktober sind nur noch wenige Karten erhältlich.