13.01.2020

„Ein surrealer Rausch für Auge und Ohr“

So betitelte der Vogtlandanzeiger begeistert die neueste Ballettpremiere am Theater Plauen-Zwickau. Max Pechstein bewegt (UA) feierte am Samstag eine erfolgreiche Premiere auf der Kleinen Bühne in Plauen. Zum Schaffen des Malers, der in Zwickau geboren wurde und als Brücke-Mitglied zu einem der einflussreichsten Künstler seiner Zeit avancierte, hatte Ballettdirektorin Annett Göhre eine eindrucksvolle Choreografie geschaffen. Anhand fünf ausgewählter Bilder Pechsteins wurden unterschiedliche Aspekte seiner Kunst und der ihn prägenden Zeitgeschichte beleuchtet. Die Situationen reichten von ausgelassenen Begegnungen mit seinem Studienfreund Alexander Gerbig und seinen beiden Ehefrauen über eine schummrige Tanzbar bis hin zum Grauen, das der 1933 als „entarteter Künstler“ gebrandmarkte und mit Berufsverbot belegte Pechstein während der NS-Diktatur erlitt. Das gesamte Ballettensemble in ständig wechselnden Rollen faszinierte durch seine eindringliche Darstellung und Leichtigkeit. Neben ihrer Wandelbarkeit bewiesen die Tänzerinnen und Tänzer höchste technische Präzision in anspruchsvollen Soli, die Annett Göhre vor allem für die drei Pechstein-Darsteller kreiert hatte. Elliot Bourke als gereifter Pechstein und verfolgter Künstler berührte mit seinen von körperlicher Verausgabung geprägten Tanzfiguren das Publikum tief. Vorher überzeugten Vincenzo Vitanza als junger Pechstein mit federnder Frische und Jeaho Shin mit seinen Improvisationen als Maler, Liebhaber und Ehemann. Vielfältige Tanz- und Musikstile flossen in die Choreografie mit ein, darunter auch außereuropäische Traditionen – insbesondere für die Figur der Sehnsucht. Hierfür erwies sich Gasttänzer Jens Weber, ehemaliger Ballettmeister des Plauen-Zwickauer Ensembles, als ausdrucksstarke, erfahrene Idealbesetzung. Mireia Vila Sorianos Bühnenbild, an Pechsteins Gemälde Tänzerin im Spiegel orientiert, empfing das Publikum bereits mit einer Abbildung im Eingangsbereich und bezog Publikum und Tänzer*innen auf der Bühne raffiniert mit ein. Die Kostüme von Leah Lichtwitz zeichneten nicht nur das Farbspektrum der den Szenen zu Grunde liegenden Bilder und ihre gemalte Ästhetik nach, sondern markierten die Tänzerinnen und Tänzer auch als Bildfiguren, historische Personen oder Schattierungen dazwischen. Mit lang anhaltendem Applaus zeigte sich das Publikum sichtlich beeindruckt von dieser außergewöhnlichen Arbeit. Annett Göhre zeigte sich in der Premierenansprache besonders erfreut, dass das eng mit Zwickau in Verbindung stehende Sujet ebenso in Plauen großen Anklang fand, und dankte insbesondere den Ensemblemitgliedern, die seit dieser Spielzeit neu in die Produktion eingestiegen waren: Momoe Kawamura, Julian Greene als Alexander Gerbig und Shahnee Page (bereits 2018 beteiligt) in der neuen Rolle als erste Frau Pechsteins.