Mama ist viel, viel trauriger als alle anderen. Sie ist so traurig, dass sie nicht mehr leben möchte. Wenn jemand so traurig ist, schreibt man eine Liste mit allen Dingen, die schön sind an diesem Leben:
1. Eiscreme
7. Leute, die stolpern
319. So heftig lachen, dass dir die Milch aus der Nase schießt.
1.000. Wenn jemand dir Bücher leiht
1.001. Wenn jemand die Bücher, die du ihm gibst, tatsächlich liest.
Man kann nur hoffen, dass Mama diese Liste tatsächlich liest und nicht nur auf Rechtschreibfehler korrigiert. Dass ihre Depression dann automatisch aufhört und dass alles gut wird. Duncan Macmillans Monolog »All das Schöne« ist trotz seines todernsten Themas voller kleiner Glücksfälle. Jede Vorstellung ist, auch dank der Einbindung des Publikums, ein einzigartiges Ja zum Leben.
Der zweite Teil des Abends beginnt nach Eintreten des Todes: Zwei junge Frauen mussten (oder wollten?) dran glauben. Zu dem Doppelmord gibt es die Theorie. Uns wurde eine der größten Erfindungen aller Zeiten verschwiegen: die Liebesmaschine. Brunkes Erfindung soll das lebendige Gegenüber ersetzen und den Menschen so allen Schmerz, alles Leid ersparen. Doch der Staat wollte die Erfindung vertuschen. Um das Geheimnis zu wahren, wurde die Öffentlichkeit vom Prozess gegen den Mädchenmörder (und Erfinder!) Brunke ausgeschlossen. Alle Unterlagen wurden vernichtet.
»Die Verlängerung der Fuge ins Unendliche« begibt sich auf die Suche nach dieser Liebesmaschine und ihrem Schöpfer Brunke. Grundlage hierfür ist Thomas Braschs Erzählung »Mädchenmörder Brunke«, die auf einer wahren (oder fast wahren) Begebenheit beruht und sich so oder so ähnlich in Braunschweig ungefähr 1905 zugetragen haben könnte. In einer Straße, die heute einen anderen Namen trägt.