Bundesweites Theaterprojekt mit künstlerischen und zivilgesellschaftlichen Interventionen zum NSU-Komplex

21.10. - 07.11.2021

Unter dem Motto Kein Schlussstrich! hat sich ein Kooperationsnetz von Theatern und Institutionen aus 15 Städten zusammengeschlossen, um die Taten und Hintergründe des NSU künstlerisch zu thematisieren. Mit Theateraufführungen, musikalischen Interventionen im öffentlichen Raum, Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Diskussionen und Workshops möchte das Projekt die Auseinandersetzung mit dem institutionellen und strukturellen Rassismus in unserer Gesellschaft anregen und die Perspektiven der Familien der Opfer und (post-)migrantischen Communities in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Beteiligt sind Akteure in den Städten, in denen zehn Bürger:innen von Rassisten ermordet wurden, wie auch jene Städte, in denen die Täter:innen des NSU aufwuchsen, Aufenthalt oder Unterstützung fanden. Auch an die Geschehnisse und Folgen der Anschläge in Halle, Hanau und Kassel, die den Rechtsterrorismus und Rassismus in erschütternder Weise bezeugen, möchte das Projekt erinnern.
 
Kein Schlussstrich! ist nicht nur ein Projekt – Kein Schlussstrich! ist auch ein Netzwerk. Wir verstehen uns als eine offene Plattform für alle Akteur:innen und Initiativen, die die Ziele einer rückhaltlosen Aufklärung rund um den NSU-Komplex und die weitergehende Thematisierung von Diskriminierung und rassistischer Gewalt mit künstlerischen sowie aktivistischen Mitteln teilen, und sich an unserem Netzwerk beteiligen möchten.
 
Träger von Kein Schlussstrich! ist der im September 2020 gegründete Licht ins Dunkel e.V. mit den Projektpartnern ASA-FF e.V. in Chemnitz, Theater Chemnitz, Dietrich-Keuning-Haus Dortmund (in Trägerschaft der Kulturbetriebe der Stadt Dortmund), Landestheater Eisenach / Meininger Staatstheater, Kampnagel Hamburg, Theater Heilbronn, JenaKultur, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena (in Trägerschaft der Amadeu Antonio Stiftung), Theaterhaus Jena, Staatstheater Kassel, Schauspiel Köln, Münchner Kammerspiele und Real München e.V., Staatstheater Nürnberg, Theater Plauen-Zwickau, Volkstheater Rostock, Theater Rudolstadt, Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar.

Mehr Informationen unter kein-schlussstrich.de
Flyer zum Download
Plakat zum Download

Aus dem Nichts

Schauspiel nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin ¬ ab 14 Jahren

Als Katja ihren Mann und ihr Kind bei einem Nagelbombenanschlag verliert, ist ihr Leben zerstört. In grenzenloser Verzweiflung flüchtet sie sich in Drogen und schöpft erst wieder Hoffnung, als zwei Neonazis verhaftet werden, die dringend unter Tatverdacht stehen.
Der prämierte Film von Regisseur und Drehbuchautor Fatih Akin nimmt Bezug auf den Nagelbombenanschlag des NSU in der vorwiegend migrantisch bewohnten Kölner Keupstraße. 2021 jährt sich die Enttarnung der Rechtsterroristen des NSU die sich viele Jahre in Zwickau versteckten, zum zehnten Mal. Mit der Bühnenadaption von Aus dem Nichts beteiligt sich das Theater Plauen-Zwickau an dem bundesweiten Theaterprojekt KEIN SCHLUSSSTRICH!

Alle Termine und Infos finden Sie hier.

Ausstellung Offener Prozess

Die Ausstellung nimmt die ost-deutsche Realität, insbesondere in Sachsen, zum Ausgangspunkt, um eine Geschichte des NSU-Komplexes zu erzählen, die von den Migrationsgeschichten und den Kontinuitäten rechter und rassistischer Gewalt und des Widerstandes dagegen ausgeht.
Die Ausstellung wird als kleinere Variante bestehend aus 9 künstlerischen Arbeiten, einem Chatbot (Messenger-Dienst) sowie der Möglichkeit des Zugriffs auf die Inhalte der Webausstellung und interaktive Karte im Gewandhaus Foyer zu sehen sein.

Zwickau 21.10.-25.11.¬ Foyer Gewandhaus
Öffnungszeiten Di + Fr 15.00-18.00 Uhr ¬ Sa 10.00-13.00 Uhr
(für Gruppen nach Vereinbarung unter liedtke@theater-plauen-zwickau.de)

Weiter Informationen zur Ausstellung gibt es hier.

Copyright: MANİFEST(O) YMUSIC GmbH, Foto: NurBauteBerlin

MANİFEST(O)

Marc Sinans polytopisches Oratorium MANİFEST(O) (türkisch für „Manifest“) vereint sieben, an Schlüsselorten der Taten des sogenannten NSU aufgeführte Einzelperformances in einem abendfüllenden Werk. Zwei Teile des polytopischen Oratoriums werden in Plauen und Zwickau zu erleben sein.
 

GLÜHENDER HASS / YANAN NEFRET 
Ritual der Vergeltung

Der blinde Klarinettist Oğuz Büyükberber bewegt sich
zu den Tat- und Gedenkorten der Morde des sogenannten NSU.
Hier improvisiert er einen musikalischen Dialog mit den Toten.

Zwickau 31.10. ¬  19.30 Uhr ¬  Gedenkort für die Opfer des NSU
Nähere Informationen finden Sie hier.
 

DER ALTAR DER RACHE / İNTİKAM SUNAĞI
Ritual der Reinigung

Wie verarbeiten Menschen und Gesellschaften im 21. Jahrhundert
die Folgen von Verbrechen des Menschen am Menschen? Wie
reinigt sich eine Gesellschaft von untilgbarer Schuld und zurückbleibenden
negativen Energien? Worte, Gesänge, Musik, Energie sind die Materialien
einer rituellen Performance.

Plauen 06.11. ¬ 19.00 Uhr ¬ Theaterplatz
Nähere Informationen finden Sie hier.
 

Copyright: Daniel Shaked

ESRAP

Konzert mit dem HipHop-Duo aus Österreich

Aufgewachsen im Wiener Arbeiterbezirk Ottakring haben die Geschwister Esra und Enes Özmen im Hip Hop das perfekte Medium gefunden, um Gehör zu finden und der eigenen Lebenswelt mit all ihren Konflikten Anerkennung zu verschaffen. Musikalisch finden ESRAP Inspiration im türkisch-orientalischen Genre Arabeske, das sie gerne mit modernen Beats verbinden.

Zwickau 23.10. ¬ 20.00 Uhr ¬ Alter Gasometer

Weitere Informationen gibt es hier.
Copyright: Salzgeber

FUTUR DREI

Autobiografischer Coming-Of-Age Film von Faraz Shariat

Erzählt wird die Geschichte von Parvis, der, alle Freiheiten genießen darf und als Sohn zweier Exil-Iraner nach einem Ladendiebstahl in einem Wohnprojekt für Flüchtlinge seine Sozialstunden ableistet. Dort lernt er die iranischen Geschwister Banafshe und Amon kennen und er wird sich durch die beiden seiner Identität und Wurzeln bewusst. Der Film feierte 2020 im Rahmen der Filmfestspiele in Berlin seine Premiere.

Zwickau 02.11. ¬ 20.15 Uhr  ¬ Alter Gasometer

Weitere Informationen gibt es hier.
 
Pixabay

SPOTS

Audiovisuelle Mikrointerventionen des Tribunals NSU-Komplex auflösen

SPOTS entstehen u. a. zur Mobilisierung für das Tribunal. Sie thematisieren die blind spots in der Aufarbeitung des NSU-Komplexes. Sie werfen spotlights auf die rassistischen Verhältnisse, welche rechte Netzwerke und deren Taten erst möglich machen. SPOTS verstehen dabei Ästhetik als politisches Handeln. Sie setzen der dominanten täterfixierten Bildpolitik und den medialen Überschreibungen rund um den NSU-Komplex etwas entgegen. Sie drehen Sichtbarkeiten um, stellen Widerstandsgesten dar, formulieren Fragen und Anklagen. Und wollen so eine breitere gesellschaftliche Debatte anstoßen.

Zwickau 02.11. ¬ 20.00 Uhr ¬ Alter Gasometer

Weitere Informationen gibt es hier.

KEIN SCHLUSSSTRICH! − DIE REISE

Erinnerungskulturelles Podiumsgespräch mit Vertreter*innen der Zivilgesellschaft aus Plauen und Zwickau

 

Die Schauspielerin, Aktivistin und Kabarettistin İdil Baydar reist zu den Schlüsselorten des NSU-Komplexes, um zwischen Kunst, Diskurs und Aktivismus eine erinnerungskulturelle Bestandsaufnahme zu machen.

Moderation İdil Baydar
Zwickau 05.11. ¬ 19.30 Uhr ¬ Gewandhaus

Weitere Informationen gibt es hier.

Copyright: Britta Beutnagel

ALLTAGSRASSISMUS IN DEUTSCHLAND

Workshop mit Michelle Bray

In diesem zweitägigen Workshop setzen sich die Teilnehmer*innen mit dem NSU-Komplex und den damit verbundenen unterschiedlichen Facetten von Rassismus auseinander. Sie befragen und hinterfragen sich selbst und blicken auf bewusste und unbewusste gesellschaftliche Ungleichheiten und Privilegien. Um Möglichkeiten zur Veränderung der eigenen Verhaltensweisen sowie zur Unterstützung betroffener Personen erarbeiten zu können, wird ein sichererer Raum für einen respektvollen Austausch geschaffen. Das Entdeckte und Gelernte wird helfen, auch im Alltag gegen Rassismus ankämpfen zu können.

 

Termine

Zwickau 05.11. ¬ 18.00-20.30 Uhr + 06.11. ¬ 10.00-16.00 Uhr ¬ Probebühne Gewandhaus
Plauen 12.11. ¬ 18.00-20.30 Uhr + 13.11. ¬ 10.00-16.00 Uhr ¬ Jugendherberge Alte Feuerwache

 

Zur Person

Michelle Bray war mehrere Jahre im Bereich Kultur und Theater aktiv, wo sie Erfahrungen mit kultureller und politischer Bildung sowie Antirassismus-Arbeit sammelte. Weitere Schwerpunkte sind daneben Bildende Kunst und Schreiben. Seit 2021 arbeitet sie als freiberufliche Diversitätsentwicklerin.

 

Anmeldung/Kontakt

Der Workshop richtet sich an Menschen ab 14 Jahren. Anmeldung über Theaterpädagogin Steffi Liedtke (liedtke@theater-plauen-zwickau.de).

Die Teilnehmerzahl ist auf 15-20 Personen begrenzt.

KEIN SCHLUSSSTRICH! meets NOVEMBERTAGE

KEIN SCHLUSSSTRICH! meets NOVEMBERTAGE

Die Novembertage blicken seit 2012 in die Historie unseres Landes und der Stadt Zwickau: Reichspogromnacht, Friedliche Revolution und der NSU sind Ereignisse, mit denen sie sich auseinandersetzen. Dabei ist den Erinnerungstagen auch die Gestaltung des Lebens in Gegenwart und Zukunft wichtig. In diesem Jahr schließen sie sich deshalb mit Kein Schlussstrich! zusammen.

REICHT ES?! – 10 JAHRE NSU-AUFARBEITUNG

Fachtag Sächsisches Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung

Welche Verantwortung wurde in Sachsen übernommen? Was bleibt offen und was ist noch zu tun?

Zwickau 04.11. ¬ 12.00 – 17.00 Uhr ¬ Fachtagung ¬ Neue Welt (nicht
öffentlich)

GEDENKVERANSTALTUNG DER STADT ZWICKAU

Das NSU-Trio lebte durch die Hilfe zahlreicher Unterstützer jahrelang unerkannt in Zwickau. Anlässlich des Jahrestages der Enttarnung möchte die Stadt Zwickau gemeinsam mit Vertretern des Freistaates, der Zwickauer Kirchen und der Zivilgesellschaft an das Schicksal der Opfer erinnern und ihrer gedenken.

Zwickau 04.11. ¬ 18.00 ¬ Dom und Gedenkort für die Opfer des NSU

REICHT ES?! – 10 JAHRE NSU-AUFARBEITUNG

Öffentliche Dialogveranstaltung des Sächsischen Staatsministeriums der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung

Mit Staatsministerin Katja Meier, Oberbürgermeisterin Constance Arndt und weiteren Gästen.

Zwickau 04.11. ¬ 20.00 Uhr ¬ Neue Welt

IF THE KIDS ARE UNITED AGAINST RASICM

Konzert- und Thementag des Roter Baum e.V., DGB Südwestsachen u. a.

Der Rote Baum e.V. möchte über die stetig wachsende Vernetzung rechter Strukturen informieren und das Phänomen „Einzelfall“ kritisch hinterfragen. Das alles in einer bunten Mischung aus Workshops, Konzerten und Diskussionsrunden.

Zwickau 06.11. ¬ ab 17.00 Uhr ¬ Aula der WHZ auf dem Scheffelberg

GEDENKEN AN DIE POGROMNACHT 1938

Zwickau 09.11. ¬ 15.00 Uhr ¬ Jüdischer Friedhof und 16.00 Uhr ¬ Georgenplatz
 

DER BESETZTE TRAUM

Gesprächsrunde mit anschließender Filmvorführung

Zwickau in Sachsen nach der Wende: Die Kamera begleitet knapp zwei Jahre lang eine Gruppe von Zwickauer Bürger*innen, die für die Freiheit auf die Straße gegangen waren. Eine Spurensuche nach den Hoffnungen und Wünschen von Menschen, die eine neue Republik aufbauen wollten. Der Regisseur Robert Krieg, Beteiligte am Film und Zeitzeugen von damals, werden vor und nach dem Film live berichten.

Zwickau 09.11. ¬ 19.30 Uhr ¬ Gesprächsrunde ¬ 20.15 Uhr ¬ Filmstart ¬ Alter Gasometer

ANNES KAMPF – ADOLF HITLER VS. ANNE FRANK

Musikalische Lesung

Adolf Hitler wusste von Anne Frank nichts, sie von ihm sehr wohl Hitlers „Kampf“ ist es, der die Geschichte der Anne Frank zeugt und beendet. Ende Februar, Anfang März 1945 stirbt sie im KZ Bergen-Belsen. Geblieben ist ihr Tagebuch. An diesem Abend erleben Sie, wie die beiden Texte in einer scharf geschnittenen Lesung aufeinanderprallen. Grauen und Hoffnung, Bestie und junges Mädchen. Geschichte, die Geschichte mit höhnischem Gelächter erzeugt.

Zwickau 11.11. ¬ 10.00 Uhr + 19.00 Uhr ¬ Alter Gasometer