Leonore liebt ihren Mann Florestan. So sehr, dass sie als Mann verkleidet unter dem Namen »Fidelio« in einem Gefängnis arbeitet – in der Hoffnung, ihn dort unter den Gefangenen zu finden. Sie riskiert alles, um ihn zu retten, denn Florestan stellt für die Willkürherrschaft des Gouverneurs Pizarro eine Bedrohung dar. Tief unter der Erde hält der Gouverneur seinen Widersacher gefangen – aus Machtkalkül und Angst vor der Wahrheit. Leonore dringt immer weiter in das Reich der Finsternis vor, entschlossen, das Unrecht aufzudecken. Im entscheidenden Moment steht sie ihrem Mann gegenüber – und widersetzt sich bewaffnet der Gewalt des autoritären Systems.
Mit »Fidelio« schuf Ludwig van Beethoven seine einzige Oper und ein eindringliches politisches Manifest. Das Werk ist geprägt von den Idealen der Aufklärung: Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und der Würde des Einzelnen. Der Kerker wird zum Sinnbild der Tyrannei, der ersehnte Sonnenaufgang steht für die Hoffnung auf eine gerechte Gesellschaft. Beethovens Musik verleiht diesen Ideen eine ungeheure emotionale Wucht. Vom bedrückenden Dunkel der Gefängnisszenen bis zum jubelnden Schlusschor spannt sich ein Klangraum, der die Hoffnung hörbar macht. Pathos und Innigkeit, kämpferische Entschlossenheit und utopische Vision verbinden sich zu einem humanistischen Bekenntnis, das bis heute nichts von seiner Dringlichkeit verloren hat.