Semiya ist vierzehn Jahre alt, Gamze zwanzig, als ihre Väter von der rechtsextremen Terrorzelle »Nationalsozialistischer Untergrund«, NSU, ermordet werden. Die beiden in Deutschland aufgewachsenen Jugendlichen verbindet derselbe Schmerz. Ihre Vorverurteilung durch die deutsche Polizei und das Desinteresse der Öffentlichkeit trifft die beiden mit voller Wucht.
In diesem Jugendsachbuch erzählen Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek in Gedächtnisberichten, Telefonaten und Chats unmittelbar, wie sie die erschütternden Geschehnisse damals erlebt und wie die Morde sie aus ihrem bisherigen Leben gerissen haben. Aber auch, wie sie miteinander eine ungeheure Kraft entwickeln konnten, die sie bis heute immer weiterkämpfen lässt: gegen das Vergessen und für eine Zukunft ohne Ausgrenzung.
Wer heute zur Schule geht, war noch nicht auf der Welt, als der NSU im September 2000 seinen ersten Mord an Enver Şimşek verübte. Darum ist es umso wichtiger, dass die Geschichten der Angehörigen erzählt werden. Insbesondere in Zwickau, wo die rechtsextremen Terrorist:innen über zehn Jahre untertauchen konnten. Und auch das Jahr 2026 ist in Bezug auf das Gedenken an die Opfer des NSUKomplexes ein besonderes: Es jährt sich zum 15. Mal die sogenannte Selbstenttarnung des NSU und die Morde an Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat zum 20. Mal.
Im Anschluss an die Lesung aus dem erzählenden Jugendsachbuch ab 14 Jahren kommen wir ins Gespräch mit den Autorinnen Gamze Kubaşık, Semiya Şimşek und Christine Werner.